Falten-Tutorial

Grundformen der Falten

Falten am Körper

Besondere Faltenformen

Coloration von Falten


Die Falten sind an sich das beste Mittel, um möglichst viele Details in ein einfaches Bild hinein zu bekommen.
Darüber hinaus können sie auch sehr viel Bewegung in ein Bild bringen und sogar Stimmungen kann man mit ihnen erzeugen.

In soweit ist es wichtig, dass man sich als angehender Zeichner auf jeden Fall damit auseinander setzt. Ich kenne es von mir selbst, dass man sich zu Beginn nicht wirklich ab Falten heran traut, doch mit der nötigen Übung und mit der richtigen Colo sind einem da eigentlich keine Grenzen gesetzt. Und sie sind wirklich einfacher, als man es zu Beginn vermutet.


Grundformen der Falten

Das Wichtigste was man bei Falten an sich beachten sollte:

Falten sind kleine Erhebungen im Stoff, wenn dieser zusammengerafft wird. Dabei treffen mehrere Falten in der Regel stets im kleinen Winkel aufeinander:
Sie können untereinander liegen, einzelne Stofflagen können sich überlagern, aber es ist eher untypisch, dass Falten im rechten Winkel aufeinander treffen. Dies führt zu einem sehr konfusen Verlauf der umliegenden Falten und sollte daher zu Beginn lieber vermieden werden.

Ebenfalls sollte darauf verzichtet werden, sich Falten kreuzen zu lassen. Treffen zwei Falten aufeinander, werden sie sich eher zu einer großen Falte verbinden, aber eben würden die Falten nicht durcheinander durch laufen und danach einfach normal weiter gehen.
Versucht die Falten stets in einem kleinen Winkel zueinander laufen zu lassen, dass der Verlauf am Ende schön fließend wirkt.

Fangt am besten so an, dass ihr willkürliche fast parallele Striche habt. Wenn die Striche aufeinander treffen, dann in einem spitzen Winkel.

Macht die Striche nicht zu wellig, da sonst der Stoff sehr knittrig wirkt. Macht am besten nur einbögige Striche bishin zu leichten S-Kurven. Nicht zu oft die Richtung der Falte ändern, das wirkt sehr unnatürlich.

Den Abstand der Falten immer etwas variieren. Mal ein paar näher aneinander legen und mal ein paar Falten weiter auseinander rücken, dadurch wirkt das Ganze lebendiger.

Wird der Stoff nicht weiter beeinflusst, tendieren Falten dazu, senkrecht nach unten zu hängen, da der Stoff durch sein eigenes Gewicht nach unten gezogen wird. Hierzu sehen wir das Beispiel eines einfachen Vorhangs.


Die Richtung des Stoffes kann jedoch auch beeinflusst werden, wenn er z.B. aufliegt.
Im folgenden Beispiel liegt der Stoff locker an zwei Punkten auf. In der Mitte hängt er lose durch.
Der Stoff tendiert dazu, zwischen den beiden Punkten waagerecht zu verlaufen. Durch die Schwerkraft wird er aber gleichzeitig nach unten gezogen, sodass sich am Ende diese gebogene Form ergibt.

Je weiter die Falten von den Auflagepunkten wegkommen, um so steiler wird ihr Verlauf.
Diese Form entsteht z.B. bei einem lockeren Shirt, wenn der Stoff auf der Brust aufliegt.

Würde man den Stoff an den Enden straff ziehen, so wird der Schwerkraft entgegen gewirkt. Die Falten haben dadurch einen reinen waagerechten Verlauf. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn man recht enge Kleidung anhat.


Falten am Körper

Im Idealfall sollte man anhand des Verlaufes der Falten den Köroer unter der Kleidung erahnen können, da seine Form direkten Einfluss auf den verlauf der Falten hat.

Um auf den Verlauf der Falten zu schließen, ist es wie im vorangegangenen Abschnitt beschrieben wichtig zu wissen, wo der Stoff aufliegt, und wo er frei fällt.
Um ein Gefühl für die Auflagepunkte des Körpers zu bekommen, betrachten wir im folgenden den Faltenverlauf eines T-Shirts.

Ein einfachtes T-Shirt ist so geschnitten, dass die Ärmel waagerecht vom Körper abstehen.
Lässt man die Arme gerade runter hängen, so liegt der Stoff an der Oberseite des Armansatzes auf. An der Unterseite wird der überschüssige Stoff zusammengestaucht.

Durch den leicht schrägen Verlauf der Brust liegt der Stoff an dieser Stelle auf. Es bilden sich kaum Falten.
Unterhalb der Brust kann der Stoff locker fallen. Dadurch bildet sich in diesem Bereich der leicht bögenförmige Verlauf der Falten aus.

Liegt der Stoff zusätzlich noch auf der Hüfte auf, kann dieser bogenförmige Verlauf zusätzlich noch verstärkt werden.
Die Falten ziehen dann von außen nach innen.
Wichtig ist dabei, dass ihr den zusammengestauchten Stoff nicht nur vorne mit einer Falte darstellt, sondern auch in der Silhouette leichte Wülste ausarbeitet.

Bedenkt immer die Form eures Körpers:

In der Regel haben die Körperteile einen recht rundlichen Querschnitt. Besonders deutlich wird dies bei den Armen und Beinen hervortreten.

Schaut man seitlich auf den Arm, so wird man auch einen recht geraden Verlauf der Falten erhalten.

Schaut man schräg auf den Arm, so erkennt man den rundlichen Querschnitt des Armes. Die Falten verlaufen im Bogen um ihn herum. Auf diese Weise kann der Betrachter gleichzeitig anhand der Falten erahnen, ob der Arm auf einen zu oder von einem weg zeigt, allein am Verlauf der Falten.


Besondere Faltenformen

Ein sehr beliebtes Element, was jedoch viele abschreckt sind Rüschen.

Bevor ihr mit den eigentlichen Rüschen anfangt, gebt euch am besten grob die Form des Kleidungsstückes vor. In diesem Fall handelt es sich um einen einfachen Rock.

Die Falten in einem Rock werden von oben nach unten verlaufen (nach der Schwerkraft). Die Rüschenkante wäre folglich die untere Linie des Rockes.

Beginnt mit einer welligen Linie entlang eurer Hilfslinie. Die einzelne Bögen können sich dabei richtig überschlagen, macht nicht nur einfache Wellen.

Anschließend zieht ihr die eigentlichen Falten. Im Falle des Rockes von oben nach unten.

Setzt dabei vor allem an den Ecken der Überschläge an. Ihr müsst auch nicht jede Falte komplett durchziehen, sie können auch schon mitten im Rock aufhöhren.

Zum Schluss zeichnet ihr in die Überschläge noch die Rückseite des Rockes.

An diesen Stellen macht die Falte einen großen Bogen, sodass man auf die Rückseite des Stoffes sehen kann (rot straffierter Bereich).
So würde der fertige Rock mit lockeren Falten aussehen. Die rote Linie zeigt die grobe Vorzeichnung.

Bei einem richtigen Faltenrock sind die Falten so steif gebügelt, dass sie nicht durch eine wellige Kurve dargestellt werden können. In diesem Fall ersetzt man die Wellenlinie durch eine gleichmäßige Zick-Zack-Linie.


Coloration von Falten

Neben dem Verlauf der Falten ist für die Wirkung einer Falte auch entscheidend, wie ihr Schatten gesetzt ist.

Hat man eine tiefe Falte, bei der der Stoff überschlagen ist, so kommt der Schatten in der Regel auf der unteren Stoffbahn. Diese wird ja von der oberen verdeckt.
Entlang der Stoffkante würde man einen sehr harten Schatten setzen. An der anderen Seite läuft der Schatten weich aus.
Man spricht bei dieser Art auch von aktiven Falten.

Aber nicht jede Falte produziert solch einen harten Überschlag. Viele äußern sich auch durch leichte Wellen im Stoff.

Bei diesen Falten ist es wichtig, den Schatten zu beiden Seiten hin weich auslaufen zu lassen. Sie wird nicht durch Outlines begrenzt.
Man spricht dabei auch von passiven Falten.

An den Seiten der Falten, wo der Stoff überschlagen ist, bilden sich aktive Falten (rechter Pfeil). Die Kante zur überlappenden Stoffbahn ist hart, nach außen läift der Schatten weich aus.

Da der Stoff zwischen diesen Falten nicht völlig glatt ist, wurde in der Mitte mit Schatten noch eine passive Falte (linker Pfeil) angedeutet. Diese wirkt weniger Stif eingeschnitten, jedoch bekommt der Stoff dadurch ein lockereres Aussehen.

Die Form des Schattens kann man für den Einstieg auf zwei Formen reduzieren: Setzt der Schatten an der Unterkante des Stoffes an, so bildet der Schatten ein langgezogenes Dreieck. Die schmale Seite bildet gleichzeitig die Unterkante des Stoffes, nach oben läuft der Schatten spitz aus. Dabei spiel es keine Rolle, ob es sich um eine aktive Falte (links) oder eine passive Falte (Mitte) handelt.

Befindet sich die Falte mitten im Stoff, so ergibt sich die Form einer langgezogenen, spitz auslaufenden Linse (rechts).

Wichtig dabei ist: Lasst die Falten schön spitz auslaufen, damit sie fließend in den glatten Stoff übergehen. Gerade bei Medien mit recht breiter Stiftspitze (z.B. runde Werkzeugsspitzen bei PC-Colorationen) sehe ich es sehr häufig, dass der Schatten plötzlich breit endet. Achtet dabei wirklich drauf, dass das Ende der Schatten eine schöne Spitze bildet.

Wenn die Outlines der Falte zu Ende sind, könnt ihr ruhig den Schatten auch noch ein bisschen darüber hinaus laufen lassen.
Bloß weil die Outlines enden, den Schatten nicht plötzlich abbrechen lassen.
Ganz im Gegenteil: Versucht euch nicht zu sehr an eure Outlines zu halten. So wirkt es als geht eine aktive Falte langsam in eine passive über, was das Auslaufen der Falte deutlich weicher und natürlicher macht.

Versucht am Ende auch eine gute Mixtur aus passiven und aktiven Falten zu erzielen. In den Linien reduziere ich es gerne auf wenige Striche, ein Großteil der Falten in einem Bild entsteht meist erst mit der Colo. Das verleiht den Falten ein schönes natürliches Aussehen.



Ich hoffe ich konnte euch mit dem Tutorial ein bisschen die Angst vor Falten nehmen und ein paar Anregungen geben, es selbst mal auszuprobieren.

Falls ihr noch Fragen habt oder gerne ein paar weitere Beispiele für Falten wollte, kann ich auch das Tutorial gerne noch ergänzen. Zögert nicht, mich anzuschreiben ^.^

Ansonsten: Viel Spaß, beim Rumprobieren!


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